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| Macht Musik schlau? Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der kognitiven Psychologie von
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Die Wissenschaft meldet sich zu Wort
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Alle meine Rezensionen ansehen (#1 HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 50 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Macht Musik schlau? Neue Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften und der kognitiven Psychologie (Broschiert) Wenn Eltern ihre Kinder dazu zwingen, Barockmusik zu hören, sind die Massenmedien nicht ganz unschuldig daran. Denn allzu bereitwillig und fahrlässig berichteten sie über die Experimente von Gordon Shaw und Frances Rauscher. Und so entstand der Mythos "Mozart macht schlau". Da Don Campell das große Geschäft witterte, ließ er sich sogar den Begriff "Mozart Effekt" patentieren. Ein kluger Entscheid, erhielten doch wenig später alle Neugeborenen von Tennesse und Georgia eine Mozart-CD sowie Hunderte von Krankenhäusern einen Sampler. Ob die Aktion die gewünschten Resultate brachte, wurde allerdings ebenso wenig überprüft wie die Behauptungen der Initianten. Heute, gut zehn Jahre später, erscheint mit dem Buch von Lutz Jäncke erstmals eine Bestandesaufnahme aller wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema. Damit ist auch schon gesagt, dass der Autor die 450 Seiten trotz des verführerischen Titels nicht für Laien verfasste. Oder zumindest nicht für Leser, die wissenschaftliche Berichterstattungen langweilig finden. Denn obwohl die Zusammenfassungen nach jedem Kapitel und die Schlussfolgerungen überaus verständlich geschrieben sind, lassen sich wissenschaftliche Studien nicht beliebig vereinfachen. Und die machen eben den Hauptteil des Inhalts aus.
Lutz Jäncke gehört zum erlesenen einen Prozent der Wissenschaftler, die am häufigsten zitiert werden. Das ist zwar noch keine Garantie, dass er immer Recht hat, gibt aber die beruhigende Gewissheit, dass man als Leser nahe am gegenwärtigen Forschungsgeschehen ist. Und der Autor hätte von den Studierenden der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich bestimmt nicht den Sympathiepreis "Goldene Eule" erhalten, wenn er in seinen Vorlesungen arrogant und besserwisserisch auftreten würde. Auch im Buch tritt Lutz Jäncke zwar klar, aber nie rechthaberisch auf. Er gibt den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft wider, macht auf Lücken und methodische Fehler aufmerksam, zieht aus gut belegten Erkenntnisse seine persönliche Schlüsse und verzichtet auf Diffamierungen allzu salopp publizierender Berufskollegen. Erstaunt hat mich allerdings doch, dass in seinem 14 Seiten umfassenden Literaturverzeichnis der Titel "Musik im Kopf" von Manfred Spitzer fehlt. Zumal dieser bekannte Autor die Werke von Lutz Jäncke in seine Literaturliste aufnimmt.
Was brachte mir die Lektüre der 450 Seiten? Allem voran die Gewissheit, dass es nicht genügt, sich auf populärwissenschaftliche Informationen aus zweiter und dritter Hand zu verlassen, wenn man sich für ein Thema besonders interessiert. Wer sich bei der Beweisführung seiner Welt- und Denkmodelle auf die Wissenschaft beruft, muss sich gelegentlich auch mit wissenschaftlichen Studien beschäftigen. Nur im Internet zu surfen, Fernsehsendungen anzuschauen und Bestsellerbücher zu lesen, hat mit seriösem Recherchieren wenig zu tun. Mozart macht nicht einfach schlau und die rechte Hirnhälfte nicht einfach kreativ. Die Neurowissenschaftler haben uns viel, sehr viel zu sagen. Aber nicht immer das, was wir hören wollen. So wenig Neuromarketing mit der Entdeckung des Buy Button zu hat, so wenig hat Lernen mit einer bestimmten CD zu tun. Außer der Gewissheit, dass sich nicht alles Wissen zu medialen Instanthäppchen verarbeiten lässt, gab mir das Buch von Lutz Jäncke zahlreiche neue Einblicke in die Komplexität des menschlichen Gehirns und seine verschiedenen Verarbeitungszentren. Und ich fand plausible Erklärungen, warum ich auch als mäßig begabter Musiker ein gutes Urteil haben kann, was Qualität ist und bei Menschen Emotionen weckt.
Mein Fazit: Wer sich ein eigenes Urteil bilden möchte, ob Musik schlau macht, sollte dieses Buch lesen. Da der Autor jedes Kapitel mit leicht verständlichen Zusammenfassungen beschließt, kann man die ausführlichen Beschreibungen der zahlreichen wissenschaftlichen Studien auch überspringen. Für Autoren, die über Musik und Neurologie schreiben, ist das Buch von Lutz Jäncke Pflicht. Jedenfalls werde ich bei Besprechungen populärwissenschaftlicher Werke wieder vermehrt darauf achten, woher die Autoren ihre Informationen beziehen. Nur aus dem Internet reicht definitiv nicht. Das betrifft jedes Buch, das den Begriff "Neuro" im Titel führt.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 18. Januar 2009 | | |
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